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Filmrezension: "Don’t stop motion"

In den letzten Wochen und Monaten wurde sehr viel über geflüchtete Menschen gesprochen, jedoch sehr wenig mit ihnen. Im Filmprojekt "Don’t stop motion" erzählen drei junge Menschen die Geschichte ihrer Flucht und ihr Ankommen in Deutschland. Im Rahmen unseres Advocacy-Monats "Lasst uns über Framing reden" analysieren wir die Bedeutung derartiger Filmprojekte und ihre Strahlkraft.



Mit einer eindringlichen Verschmelzung von persönlichen Erzählungen, selbstgemachten Animationen und einer inspirierenden interkulturellen Zusammenarbeit bringt der Film "Don't Stop Motion" die Fluchtgeschichte drei junger Menschen und ihr Leben in Deutschland eindrucksvoll auf die Leinwand. Auf ihre ganz eigene Weise gewähren Zahra, Muntazar und Ahmad einen Einblick in ihre Lebensrealitäten, in ihre Erinnerungen an ihre Heimat und die langwierige Fluchterfahrung. Mit Hilfe von Pappkartons, selbstgebauten Puppen und der sogenannten Stop-Motion-Technik (eine Filmtechnik, bei der eine Illusion von Bewegung durch aneinander gereihte Bilder erzeugt wird) schaffen die Protagonist*innen es, die Zuschauer*innen in ihre bewegenden Lebensgeschichten eintauchen zu lassen.

 

Anfang März hatten wir die besondere Möglichkeit, diesen einzigartigen Film zusammen mit den Filmschaffenden im Berliner Kino Moviemento zu zeigen. Im Anschluss folgte ein Gespräch mit einem der Protagonisten, Muntazar Al-Jassani, und der Regisseurin Franziska Bausch-Moser. Realisiert wurde das Projekt von Franziska-Bausch-Moser und Niels Bauder und dem Start-up und Gründeratelier M6. Es basiert auf den Erfahrungen der Protagonist*innen, die unter psychologischer und medienpädagogischer Betreuung in Form von Interviews vor die Kamera gebracht wurden.

 

Nach ihrer Ankunft in Deutschland stehen Zahra, Muntazar und Ahmad vor einer Reihe neuer Herausforderungen. Ihre Flucht vor dem Krieg hat sie in ein neues Land geführt, das zwar Sicherheit bietet, aber auch mit seinen eigenen Schwierigkeiten und Vorurteilen zu kämpfen hat.

Muntazar drückt diese Herausforderung deutlich aus, wenn er sagt: "Wir sind vor dem Krieg geflohen, und dann kommen wir in dieses Scheißproblem...mit Hautfarbe." " Ich fühle mich immer fremd." Für ihn und viele andere Geflüchtete wird die Realität der Diskriminierung und des Rassismus zu einem weiteren Hindernis auf ihrem Weg zu einem besseren Leben. Trotz dieser Herausforderungen zeigen sie eine bemerkenswerte Stärke und Entschlossenheit. Sie setzen sich mit den Schwierigkeiten auseinander, kämpfen gegen Vorurteile und suchen nach Wegen, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden.

 

Der Film zeigt eine ganz neue Perspektive, in der nicht über, sondern mit Geflüchteten gesprochen wird. Es ist mehr als nur ein Film. Es ist ein Aufruf zur Solidarität und Förderung einer offenen Gesellschaft, in der die Stimmen marginalisierter Gruppen gehört und geschätzt werden. Zudem wird durch die Fokussierung auf Einzelschicksale die häufig suggerierte Anonymität in der Berichterstattung über geflüchtete Menschen durchbrochen, bei der diese primär als namen- und stimmenlose Masse porträtiert werden. Durch die künstlerische Darstellung der persönlichen Geschichten der Protagonist*innen wird das Publikum auf eine emotionale Reise mitgenommen, die die Notwendigkeit einer größeren Sichtbarkeit für People of Color deutlich hervorhebt. Der Film berührt auf einer tiefen Ebene und hinterlässt nachhaltige Eindrücke, die dazu ermutigen, Brücken über Grenzen hinweg zu bauen und im Kampf gegen Rechtsextremismus für eine inklusive Gesellschaft einzustehen.  


Als Projekt, das an Schulen und Bildungseinrichtungen geht oder auch im Rahmen von Screenings den Austausch sucht, hat “Don’t stop motion” das Ziel, Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen. Der Film kombiniert dabei die teils traumatischen Erfahrungen der Protagonist*innen mit der darstellerischen Leichtigkeit der Stop-Motion-Technik und wird dadurch für verschiedenste Altersgruppen zugänglich. 


Project ELPIDA zeigt den Film "Don't Stop Motion" am 13.04.2024 ab 20:30 im Ost-Passage Theater in Leipzig. Ticktets kann man hier reservieren.


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