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Jemen: Der vergessene Konflikt

Seit nunmehr acht Jahren tobt im Jemen ein erbitterter Bürgerkrieg, der in Europa kaum Aufmerksamkeit erhält. Mit seinen fast 400’000 Toten, Millionen Vertriebenen, sich ausbreitenden Krankheiten und der an Hunger leidenden Bevölkerung stufen die Vereinten Nationen die Lage am Golf von Aden als die schwerste humanitäre Krise der Gegenwart ein. Eine Übersicht über eine vergessene Katastrophe.



Der Jemen liegt am südwestlichen Rand der Arabischen Halbinsel und spielte aufgrund seiner besonderen Lage eine bedeutende Rolle im Handel zwischen Europa, Asien und Afrika. Diese strategisch wichtige Position führte dazu, dass das Land immer wieder imperialistischen Interessen verschiedener Mächte wie den Osmanen, Briten und Ägyptern ausgesetzt war. Im 20. Jahrhundert wurde der Jemen infolgedessen in zwei Staaten geteilt: den seit 1918 unabhängigen Nordjemen und den bis 1967 unter britischer Protektion stehenden Südjemen.


Im Jahr 1990 folgte schließlich die Wiedervereinigung. Präsident wurde der bisherige Regierungschef des Nordjemens ​​Ali Abdullah Salih, der die neu gegründete «Demokratische Volksrepublik Jemen» bis zum Ausbruch des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 regieren sollte.

Die gescheiterte Revolution


Die Welle des Arabischen Frühlings erreichte Anfang 2011 auch den Jemen, wo Demonstrationen gegen die langjährige Herrschaft des Präsidenten ausbrachen. Diese wurde von den Sicherheitskräften teilweise mit massiver Gewalt unterdrückt. Nach fast einem Jahr andauernder Proteste wurde am 23. November 2011 schließlich ein historisches Abkommen unterzeichnet, das den Rücktritt von Präsident Saleh innerhalb von 30 Tagen vorsah.


Die darauf folgenden Wahlen haben jedoch nicht zu mehr Stabilität im Land geführt, sondern ganz im Gegenteil zu einem komplexen und langwierigen Konflikt, der seit 2014 hunderttausende Menschenleben gefordert hat.


Alte Konflikte brechen auf


Bereits seit Jahren schwelte im Jemen ein Konflikt zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und der sunnitischen Zentralregierung. Diese nutzten nun die nach der Wahl von Mansur Hadi, dem Nachfolger von Ali Abdullah Salih, entstandene Instabilität im Land und übernahmen die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa und andere wichtige Städte im Norden des Landes und haben seitdem ihr Territorium kontinuierlich ausgeweitet. Heute kontrollieren sie weite Teile des Jemens, einschließlich wichtiger Häfen am Roten Meer.

Schnell wuchs der zu Beginn regionale Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran, der die Huthis unterstützt, und einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition aus. Diese besteht hauptsächlich aus sunnitisch regierten arabischen Staaten und hat zum Ziel, die Huthis zu bekämpfen und die Kontrolle über das Land wieder in die Hände der international anerkannten Regierung zu geben. Zusätzlich zu den anhaltenden Kämpfen wurde das Land in den vergangenen Jahren von Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen geplagt.


Schwere humanitäre Auswirkungen


Die Vereinten Nationen schätzen die Lage im Jemen als eine der schwersten humanitären Krisen global ein. Das Land ist laut dem Fragile States Index der instabilste Staat der Welt und der facettenreiche Konflikt sowie die Naturkatastrophen haben dazu geführt, dass fast 22 Millionen der etwa 33 Millionen Einwohner des Landes auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Davon sind etwa 13 Millionen Kinder. Zudem leiden mehr als 17 Millionen Menschen im Jemen an Hunger und Unterernährung.


Zusätzlich verschärft wird die Situation durch eine wirtschaftliche Krise, die zu einem Mangel an lebensnotwendigen Gütern wie Lebensmitteln, Wasser, Treibstoff und medizinischer Versorgung führt. Die humanitäre Katastrophe wurde durch die weitreichende Zerstörung der Infrastruktur wie Krankenhäuser und Schulen weiter verschärft.


Große Fluchtbewegungen


Mehr als 4,5 Millionen Menschen sind durch die Gewalt innerhalb des Landes vertrieben worden. Ein großer Teil dieser Binnenvertriebenen lebt in improvisierten Notunterkünften, meist ohne Zugang zu grundlegender humanitärer Hilfe.


Viele Geflüchtete aus dem Jemen suchen jedoch auch Schutz im Ausland – der allergrößte Teil in Nachbarländern wie Saudi-Arabien, dem Oman, Ägypten, Sudan oder Djibuti. Einige jedoch auch in anderen Ländern in der Region wie Jordanien und dem Libanon. Es gibt jedoch auch eine wachsende Anzahl von jemenitischen Geflüchteten, die den weiten Weg nach Europa auf sich nehmen und hier Schutz suchen. In Griechenland sind dem UNHCR zufolge rund 4,2 Prozent der ankommenden Geflüchteten aus dem Jemen. Sie belegen damit den 7. Platz, noch vor Ländern wie Äthiopien oder dem Iran.









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